Zwei Feuerwehrmänner stehen vor großem Brand.

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Wie führe ich ein Krisengespräch?

Julia sitzt auf ihrem Sofa und verzieht traurig das Gesicht. Sie muss unbedingt mit Jens sprechen. So konnte das doch nicht weitergehen. Das Unternehmen, die Freunde, der Sport, immer hatte sie das Gefühl, etwas anderes war wichtiger. Dabei sehnt sie sich nach ihm und gemeinsamer Zeit. Heute möchte sie mit ihm sprechen, aber sie hat Angst, dass es nach hinten losgeht. Sie möchte ihn schließlich nicht mit Vorwürfen überschütten, sondern ihm nur einen Schubs zurück in ihre Richtung geben. Doch wie geht man so ein Krisengespräch an?

Warum möchte ich ein Krisengespräch – Ausgangssituation

Schon bei der Vorbereitung auf ein Krisengespräch kann man viel richtig machen. Wer sich schon vor dem Gespräch klar macht, was er denn genau erreichen will und wie der perfekte Gesprächsausgang wäre, schafft emotional die optimalen Bedingungen. Am besten schaut man sich die Ausgangssituation genau an und überlegt, welchen Anteil man selbst an der Krise trägt. Um auf das Beispiel Paarbeziehung zu kommen. Wenn klar ist: Ich möchte mit meinem Partner zusammenbleiben, aber mir liegen dafür noch ein paar Dinge am Herzen, dann ist das Ziel des Gesprächs, eine gute Lösung für die Zukunft zu finden, mit der beide glücklich sind.

Kurz noch einmal zusammengefasst: Der Dreischritt der Selbstreflexion vor jedem Krisengespräch: 1. Was ist los? 2. Was ist mein Anteil? 3. Wo möchte ich hin?

In der Nähe in den Austausch gehen 

Ein Krisengespräch führt man am besten in der Nähe. Gemeinsam nebeneinander, auch gern mit körperlicher Berührung. Mit Nähe kann man den anderen ganz in das Gespräch einladen und so schon verdeutlichen: „Hör mir zu – Mein Ziel ist es, eine Lösung zu finden, nicht aufeinander loszugehen“ Wenn man diese Nähe gefunden hat, sind Ich-Botschaften ein Schlüssel dafür, dass der andere sich ganz tief auf das Gespräch einlässt. Wer von sich erzählt, wie es ihm geht und was ihm wichtig ist, dem werden offenere Ohren geschenkt als jemandem, der symbolisch mit dem Finger zeigt, frei nach dem Motto: „Du hast aber…“

Voller Fokus auf die Lösungsfindung!

Volle Kraft voraus! Aber nicht wie die Titanic auf den Untergang zu, sondern lieber ins Meer der unbegrenzten wunderschönen Möglichkeiten! Diese neuen Möglichkeiten entdeckt, wer im Krisengespräch auch die Bedürfnisse des Partners erforscht und ihm aufmerksam zuhört. Wenn das gelingt, kann man das Krisengespräch auch in Lösungsgespräch umtaufen!

Wenn es nicht das erste Krisengespräch ist

Ob es nun in Beziehungen oder in Arbeitsverhältnissen ist: Es kann sehr enttäuschend sein, wenn man bereits ein Krisengespräch geführt und gemeinsame Commitments gefunden hat, der andere sich aber nicht daranhält. Auch hier hilft der erste Schritt der Selbstreflexion, indem man sich über die wiederkehrende Situation klar wird und auch fragen kann: Will ich die Beziehung oder zum Beispiel auch das Arbeitsverhältnis unter diesen Umständen überhaupt noch? Und habe ich unsere besprochenen Commitments denn erfüllt?

Wer seine Gefühle geordnet hat, kann zu einem erneuten Krisengespräch zusammenkommen und auch aussprechen: „Wir hatten ein gemeinsames Commitment und ich mag gerne ergründen, weshalb das nicht funktioniert, vielleicht müssen wir etwas anpassen? Dabei ist es völlig in Ordnung, auch enttäuscht zu sein. Erst wenn echte gemeinsame Vereinbarungen zum 4. oder 5. Mal dauerhaft nicht greifen, macht es Sinn, über eine absolut deutliche Ansprache und Konsequenzen nachzudenken.

Deutlichkeit ist extrem wichtig, um klar zu werden, dass man selbst nicht bereit ist, die Situation immer wieder zu entspannen, wenn dabei die Wahrscheinlichkeit da ist, dass es auch immer so bleibt. Indem der andere ein Feedback dazu bekommt, welche Dinge wirklich unschön sind, kann auch er seinen Anteil betrachten, denn die Haltung „Die anderen sind schuld“ bringt niemanden weiter, privat wie beruflich.

Lösungsorientierung ist der Schlüssel für ein erfolgreiches Krisengespräch. Diese gilt für die eigenen Bedürfnisse wie auch für die des anderen. Wenn beide sich gemeinsam auf Lösungssuche begeben, können beide auch am Ende sagen: „Ich habe eigentlich gewonnen!“

Ihre Robert und Sandra Hornsteiner

Auf einen Blick 

1. Warum möchte ich ein Krisengespräch?

Der Dreischritt der Selbstreflexion vor jedem Krisengespräch:

1. Was ist los?

2. Was ist mein Anteil?

3. Wo möchte ich hin?

2. In der Nähe in den Austausch gehen 

Gemeinsam in der Nähe mit körperlicher Berührung sprechen

Ich-Botschaften senden anstatt Vorzuwerfen

3. Voller Fokus auf die Lösungsfindung

Um lösungsorientiert zu sprechen, hilft es beider Bedürfnisse zu erforschen und sich darüber auszutauschen

Bild: fouroaks