Nacktes Paar schaut ausdruckslos in die Kamera

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Fehlende Sexualität – Wieso haben wir keinen Sex mehr in der Beziehung?

Als Luisa ihren Manuel kennenlernte, lebten sie von Luft und Liebe. Sie konnten gar nicht genug voneinander bekommen. Nicht nur in den Nächten wälzten beide sich in den Laken, auch tagsüber nutzten sie jede freie Minute, um zu knutschen und per Handy flirteten sie wie nie zuvor. Jetzt sind die Jahre ins Land gezogen und ihre Beziehung ist tiefer geworden. „Manchmal“, denkt Luisa, „habe ich das Gefühl, je größer unsere Liebe wurde, je mehr wir uns ein gemeinsames, glückliches Leben aufgebaut haben, desto weniger Lust haben wir.“ Heute scheint ihre Ehe nahezu perfekt zu sein, wäre da nicht das Thema fehlender Sex, das wie ein überdimensionales rosa Sexspielzeug mitten im Raum steht und einfach nicht zu übersehen ist…

Mit ihrer „Sexlosigkeit“ sind die beiden nicht allein: Umfragen zeigen deutlich, dass ein knappes Viertel aller deutschen Paare zwischen 18 und 69 seltener als einmal im Monat miteinander schläft. [1] Und die Dunkelziffer ist sicher noch höher. Doch woran liegt das? Oder wichtiger: Wie schafft man es, ein glückliches Sexleben wieder aufzubauen?

Liegen die Gründe in der Biologie

Aber anfangs war doch alles rosarot? Die Ursache für den beinahe drogenähnlichen Zustand, der uns beim Kennenlernen beherrscht, ist ein Cocktail an Neurotransmittern, den unser Körper ausschüttet. In uns explodiert ein chemisches Feuerwerk [2] und das sorgt dafür, dass man den Job und andere Dinge hintanstellt. Langsam, aber sicher gewöhnen wir uns aneinander, es werden weniger Hormone ausgeschüttet und andere Dinge rücken wieder in den Vordergrund. Dazu kommt zusätzlicher Stress, nicht nur in der Beziehung, sondern auch durch Veränderungen, die das Paar durchlebt, ob durch Berufliches wie Unternehmensgründung, Jobwechsel oder Privates wie anstrengende Schwiegereltern oder Kinder.

Sex, der nach der ersten intensiven Verliebtheitsphase folgt, ist oft nicht mehr selbstverständlich voller Verlangen, man kennt sich. Oft möchte man noch nicht über die Veränderungen zu sprechen, zu nah liegt die Angst, dass es etwas zerstört. So entstehen Missverständnisse und die Sexualität kann dadurch noch mehr leiden. Die Hälfte aller Paare klagt über Lustlosigkeit und die kann zu einer schwierigen Dynamik zwischen den Liebenden führen. Während die Person mit weniger Lust die Macht hat zu entscheiden, wann Sex stattfindet, kann die andere darüber urteilen und vorwerfen: Es stimmt etwas nicht mit dir. Wir haben Frauen und Männer in der Praxis erlebt, die sich dadurch völlig an die Wand gedrückt fühlen und immer weiter Blockaden aufbauen. Sie sitzen verzweifelt vor uns und fragen: „Was soll ich nur tun? Ich bin doch keine Maschine, die man an- und abschalten kann?“

Was, wenn das Wohlgefühl fehlt?

Nicht nur unsere Hormone verändern sich im Laufe einer Beziehung, auch unsere Körper sind dem Zahn der Zeit unterlegen. Gerade wenn man sich selbst aufgrund des Alterungsprozesses oder einer Schwangerschaft nicht mehr als anziehend empfindet, kann das Auswirkungen auf die Sexualität haben, – denn für spontanen Sex ist es eine Grundbedingung, dass man sich sexy fühlt. Natürlich ist ein wenig „Sich-gehen-Lassen“ auch ein Zeichen von gegenseitigem Vertrauen, aber es sorgt dafür, dass das Bedürfnis nach Sex minimiert wird. Wer sich also dabei erwischt, mit ungewaschenem Haar und 3-Tage Bart an mindestens einer Körperstelle vor dem Fernseher zu sitzen und an die guten alten Zeiten zu denken, hat hier bereits einen Hinweis für eine Ursache des im wahrsten Sinne des Wortes unbefriedigenden Sexlebens.

Auch andere körperliche Ursachen wie Depressionen und Stress können sich insbesondere bei Männern auf die Sexualität auswirken. Während manche den Sex ganz bewusst nutzen, um Spannung und Traurigkeit abzubauen, hemmt andere genau das. Um wieder bewusst in eine schöne sexuelle Beziehung zurückzufinden, ist es hilfreich, offen und ehrlich über das körperliche oder psychische Wohlergehen zu sprechen und so eine Vertrauensbasis zu schaffen.

Endlich wieder heißer Sex!

Sex hat nicht nur die Funktion der Fortpflanzung und Erregung, auch eine dritte Funktion ist wichtig: die der Kommunikation. Um als Paar wieder richtig intim zu werden, braucht es vor allem gemeinsame Zeit. In dieser werden Themen wie der Job oder die Kinder ganz bewusst ausgeklammert, denn im Vordergrund steht, was das Paar ausmacht, gemeinsame Unternehmungen, Spaß und Freude. Gemeinsam kann bewusst wieder sexuelle Stimmung aufgebaut werden. Sexualität ist wie ein Muskel, wenn er länger nicht mehr trainiert wurde, kann es ratsam sein, langsam mit dem Training zu beginnen. ?

Sexuell denken viele Paare oft, den anderen komplett zu kennen. Dadurch fällt die knisternde Spannung weg. Sie kennen aber nur die Komfortzone mit einem selbst hätte der Partner eine Affäre, sähe der Sex völlig anders aus. Es hört nie auf, den anderen zu entdecken, wenn beide es zulassen und wollen. In gemeinsamer Zeit kann das Paar dies bewusst wieder erwecken, indem man eine andere Stellung ausprobiert, neue Rollen testet, andere Orte, Fantasien erzählt und auslebt und immer etwas Neues entdeckt.

Tipp: Gebt euch dabei ganz bewusst gegenseitig Sicherheit und verlasst so eure Komfortzone. Ganz wichtig: Der Spaß soll hierbei ganz bewusst keine Verpflichtung sein, der Fokus liegt nicht auf dem Orgasmus, sondern auf einer knisternden Zeit zu zweit. Anreize dafür kann man sich auch von außen holen, durch Tantra Kurse beispielsweise.

Sex ist individuell!

Immer wieder merken wir auch, dass mit Lustlosigkeit gemeint ist: „Wir haben weniger Sex, als wir denken, dass man haben sollte.“ Oftmals entsteht durch Werbung oder Medien der Eindruck bei allen anderen rappelt es gehörig in der Kiste. Wichtig ist, dass man als Paar gemeinsam über die wirklich empfundenen Wünsche spricht und nicht darüber was man von außen signalisiert bekommt, wie es sein sollte. Die Frage ist, ob der Bekannte, der so damit prahlt, entweder frisch verliebt ist oder nur auf die Übertreibungstrommel schlägt.

Grundsätzlich ist es auch hilfreich zu akzeptieren, dass auch die eigene sexuelle Begierde sich im Laufe des Lebens verändert, auch wenn sie jetzt vielleicht schwächer ausgeprägt ist, heißt das gar nichts.

 Wir wünschen Ihnen ein wunderbares Sexleben. Genießen Sie Ihre Zweisamkeit!

Herzlichst,

Ihre Sandra und Robert Hornsteiner

Auf einen Blick – Wieder mehr Sex:

1. Sorgt dafür, dass ihr euch wohl in euren Körpern fühlt und zeigt euch bewusst, dass ihr euch noch attraktiv findet! Sport kann die Hormone wieder ankurbeln, wenn es nicht zu stressig ist.

2. Forscht nach, ob es körperliche Ursachen für eure Lustlosigkeit gibt

3. Nehmt euch ganz bewusst gemeinsame Beziehungszeit, in der ihr euch nur miteinander beschäftigt!

4. Macht euch wieder im Alltag an – habt mentalen Sex!

5. Sexualität ist ein Muskel – trainiert ihn!

6. Schaut nur was für Euch dabei stimmig ist!

Bild: iakovenko_123

[1] spiegel.de/partnerschaft/kein-sex-ist-das-ein-trennungsgrund-das-sagen-experten-und-betroffene-a-be6c725f-d1a0-4cd3-9a30-3e6e432c164d; https://www.dw.com/de/sexuelle-appetenzst%C3%B6rung-kein-sex-ist-keine-katastrophe/a‑49759673

[2] https://www.aok.de/pk/magazin/familie/liebe-sexualitaet/flirten-kribbeln-und-hormone-darum-verlieben-wir-uns/